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Zertifikate

Was ist dran an Zertifikaten?

Zertifikate gehören zur Familie der "verbrieften Derivate". Banken erstellen und verkaufen Zertifikate auf einen Basiswert (Bezugswert, Underlying), z.B.  eine Aktie, einen Aktienkorb oder einen Index, auf deren / dessen Kursentwicklung sich das Zertifikat bezieht.

 

Der Markt zählt heute über 18.000 Produkte mit einem monatlichen Handelsvolumen von über 8 Milliarden Euro. Anlagezertifikate dürften demnach schon 2004 den klassischen Investmentfonds im Nettoabsatz überholt haben.

Es gibt  viele Gründe für diesen Erfolg:

  1. Nach dem Börsen-GAU der Jahre 2000 bis 2003 hatten viele, meist schlecht informierte  Anleger die Nase voll von Aktien und Aktienfonds. Gleichzeitig blieb der Wunsch nach einer hohen Rendite erhalten.

  2. Zertifikate bieten (insbesondere aus der Sicht der Anbieter) handfeste Vorteile: Die Flexibilität der eingebetteten Derivate ist praktisch grenzenlos. Dadurch kann für alle nur denkbaren Kundenbedürfnisse auch ein entsprechendes Angebot konstruiert werden.

  3. Zertifikate sind einfach, schnell und preiswert zu emittieren. Die Reaktionszeit auf aktuelle Stimmungen und Trends im Anlegerverhalten ist dadurch sehr kurz.

Das starke Wachstum der letzten Jahre aber resultiert weniger aus diesen produktionstechnischen Vorzügen oder einem gestiegenen Anlegerinteresse, als vielmehr aus einem geänderten Marktverhalten der Banken und Sparkassen.
Um den Umsatzrückgang bei Aktien/Aktienfonds auszugleichen und kurzzeitig die eigene Profitabilität zu erhöhen, sind sie den Verlockungen der anderen, aus Anlegersicht eher düsteren Eigenschaften des Zertifikats erlegen. Zertifikate sind der Inbegriff von  Intransparenz und laxer Regulierung.

Anders als Kapitalgesellschaften der offenen Investmentfonds sind die Emittenten von Zertifikaten nicht den Interessen derAnleger verpflichtet. Statt des besonders anlegerfreundlichen Investmentgesetzes gilt normales Wertpapierrecht. 

Mangelnde Transparenz führt zu mangelndem Anlegerschutz:

  1. Die Kosten auch banal konstruierter Produkte erreichen teils enorme Höhen, gleichzeitig wird zynisch mit dem Fehlen von Verwaltungsvergütungen geworben.

  2. Neben der Möglichkeit Kosten zu verstecken und zu verschleiern, besteht die Möglichkeit für den Emittenten, Folgeerträge aus dem Handel zu erzielen: Bei Zertifikaten obliegt es allein dem Emittenten, den Rücknahmepreis eines Zertifikats zu bestimmen. So könne saftige Zusatzerträge generiert werden.

Die Kostenstrukturen vieler Zertifikate geben den Anlegern keine faire Chance auf eine zufriedenstellende Rendite.