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Performance-Messung

Zeitgewichtete Performance-Messung für Wertpapier-Depots

Hannes Peterreins

Anleger gehen gewöhnlich davon aus, dass die von ihrem Vermögensverwalter ausgewiesene Performance gültige Wahrheit ist. Die wenigsten wissen, dass es verschiedene Methoden zur Performance-Berechnung gibt. Performance ist also nicht gleich Performance.

Die Fachliteratur ist sich einig, dass die sog. zeitgewichtete Performance am besten geeignet ist, über Management-Leistung und Portfolio-Entwicklung Auskunft zu geben. Angesichts dieser Einigkeit ist es bemerkenswert, dass deutsche Vermögensverwalter fast durchgängig die sog. wertgewichtete Performance berechnen.

Die natürlichste Frage, die sich ein Investor stellt, ist, ob sich seine Investition rentiert hat. Normalerweise lässt sie sich auch ziemlich einfach beantworten. Hat er sich z.B. für 10.000 € Aktien gekauft, die jetzt 11.000 € wert sind, so ist der Gewinn 1.000 €. Die Aktien hatten also eine Rendite oder Performance von 10%. Auf dieselbe Weise, denkt man, sollte es möglich sein, die Performance ganzer Wertpapier-Portfolios zu bestimmen, um so die Leistung des jeweiligen Portfolio-Managers zu beurteilen. Man müsste nur das anfänglich einbezahlte Kapital mit dem jetzigen Depotwert in Verhältnis setzen. Je mehr ein Portfolio-Manager aus der anfänglichen Einzahlung gemacht hat, desto besser hat er gearbeitet.

Etwas komplizierter jedoch wird das Ganze, sobald es nicht nur eine Einzahlung gibt, sondern eine Reihe von Ein- und Auszahlungen. So ist die Leistung eines Vermögensverwalters A sicher anders einzuschätzen, der aus 100.000 € in einem Jahr 130.000 € gemacht hat, im Vergleich zu einem Konkurrenten B, der auch am Ende 130.000 € erreicht hat, aber das erste halbe Jahr nur mit 50.000 € arbeiten konnte, und dem erst ab Jahresmitte weitere 50.000 € anvertraut wurden. Bei beiden beträgt zwar das einbezahlte Kapital 100.000 €, offenbar stand aber dieses Kapital A länger zur Verfügung als B, so dass man geneigt ist, B's Leistung höher zu schätzen als A's.

Einzahlung am 1.1.

Einzahlung am 1.7.

Depotwert zum 31.12.

Portfolio A

100.000 €

0 €

130.000 €

Portfolio B

50.000 €

50.000 €

130.000 €

Die wertgewichtete Performance

Dem trägt die sog. wertgewichtete Performance Rechnung. Hier wird zunächst das durchschnittlich eingezahlte Kapital ermittelt. Da es für A nur eine Einzahlung am Anfang von 100.000 € gab, ist für ihn das durchschnittlich einbezahlte Kapital genau dieser Betrag. Anders sieht es bei B aus. Während er über die erste Einzahlung von 50.000 € ein volles Jahr verfügen konnte, war das für die zweiten 50.000 € nur für die Hälfte der Zeit der Fall. Das durchschnittlich einbezahlte Kapital ist somit für ihn 50.000 + 50% von 50.000 = 75.000 €.

Beide Portfolio-Manager erzielten einen Gewinn von 30.000 €, bezogen auf das insgesamt eingezahlte Kapital. Die wertgewichtete Performance erhält man nun, indem man diesen Gewinn ins Verhältnis setzt zum durchschnittlich einbezahlten Kapital.

Die zeitgewichtete Performance ist ein objektiverer Maßstab

Hat B aber wirklich besser gearbeitet als A? Jedenfalls ist die wertgewichtete Performance für sein Portfolio um einiges besser. Das kann sein, muss aber nicht. Hier zeigt sich die Schwäche dieser Art der Rendite-Berechnung. Sie leitet völlig fehl bei der Beurteilung von Management-Leistung. Um dies zu verdeutlichen, gehen wir drei verschiedene Szenarien durch, was die Depot-Entwicklung von B betrifft. Bei allen drei Szenarien, erhält B zweimal 50.000 €, und sein Depotwert beträgt am Schluss 130.000 €, so dass sich immer dieselbe wertgewichtete Performance ergibt. Die Management-Leistung wird aber sehr unterschiedlich sein.

Szenario 1
Angenommen, die Portfolio-Manager A und B hatten exakt dieselbe Anlagephilosophie. Beide ließen ihr Geld das erste halbe Jahr unverzinst auf dem Girokonto liegen, um erst nach Jahresmitte in exakt dieselben Aktientitel zu investieren, die innerhalb des zweiten Halbjahres einen Gewinn von 30.000 € einbrachten.
Depotwert am 1.1

Depotwert am 30.6.

Rendite 1. Hj.

Depotwert am 1.7.

Depotwert am 31.12.

Rendite 2. Hj.

Portfolio A

100.000 €

100.000 €

0%

100.000 €

130.000 €

30%

Portfolio B

50.000 €

50.000 €

0%

100.000 €

130.000 €

30%

Obwohl also beide Vermögensverwalter exakt dieselben Anlageentscheidungen getroffen haben, ist die wertgewichtete Perfomance für A 30% und für B 40%.
Szenario 2
Nehmen wir nun an, A hätte dieselbe Anlagestrategie wie im ersten Szenario. Manager B jedoch investiert im ersten Jahr äußerst unglücklich und vernichtet zunächst 40 Prozent des ihm anvertrauten Kapitals, so dass sein Depot zum 30.6. nur noch 30.000 € wert ist. Da sein Kunde noch nicht den Glauben an ihn verloren hat und ihm noch einmal 50.000 € überweist, steht ihm zum 1.7. ein Kapital von 80.000 € zur Verfügung. Im zweiten Halbjahr hat er hingegen Glück und erzielt diesmal eine Rendite von 62,5%. Schließlich kommt er auf einen Depotbestand von 130.000 €.

Depotwert am 1.1.

Depotwert am 30.6.

Rendite 1. Hj.

Depotwert am 1.7.

Depotwert am 31.12.

Rendite 2. Hj.

Portfolio A

100.000 €

100.000 €

0%

100.000 €

130.000 €

30,0%

Portfolio B

50.000 €

30.000 €

-40%

80.000 €

130.000 €

62,5%

Portfolio C

100.000 €

60.000 €

-40%

60.000 €

97.500 €

62,5%

Man erkennt, dass diese Management-Leistung an sich viel schlechter war als die von A, wenn man annimmt, B hätte diese Anlagestrategie von Anfang an mit 100.000 € verfolgt (vgl. Portfolio C). In diesem Fall hätte sich sein verwaltetes Vermögen zunächst auf 60.000 € reduziert, das er im zweiten Halbjahr nur noch 97.500 € hätte steigern können. Insgesamt also ein Minus von 2,5%. Diese Zahl erhält man auch, wenn man die -40% und +62,5%, wie es im Fachjargon heißt, "zeitgewichtet konkatiniert":
                               (1 - 40%) x (1 + 62,5%) - 1 = -2,5%
Manager B hatte lediglich Glück, dass ihm Mitte des Jahres noch einmal Kapital zugeführt wurde, so dass seine miserablen Anlageentscheidungen kaschiert wurden. Wertgewichtet steht er mit +40% besser da, als er tatsächlich gearbeitet hat
Szenario 3
Ganz anders sieht es für B in folgendem Szenario aus. Angenommen, er macht aus 50.000 € innerhalb des ersten Halbjahres 75.000 €. Das ist eine Rendite von 50%. Da ihm 50.000 € zugeführt werden, kann er für das zweite Halbjahr über 125.000 € verfügen. Aus diesen macht er bis Ende des Jahres 130.000 €, was einer Halbjahresrendite von 4% entspricht.

Depotwert am 1.1.

Depotwert am 30.6.

Rendite 1. Hj.

Depotwert am 1.7.

Depotwert am 31.12.

Rendite 2. Hj.

Portfolio B

50.000 €

75.000 €

50%

125.000 €

130.000 €

4%

Portfolio C

100.000 €

150.000 €

50%

150.000 €

156.000 €

4%

Da er in diesem Fall noch besser als die ausgewiesene wertgewichtete Performance von 40% gearbeitet hat, kann man sehen, wenn man dieselbe Anlagestrategie von Anfang an auf 100.000 € anwendet (vgl. Portfolio C). Man hätte dann nämlich 156.000 € erwirtschaftet, oder eine Rendite von 56%. Zeitgewichtet errechnet sich:
                                 (1 + 50%) x (1 + 4%) - 1 = 56%
In diesem Szenario hat B schlicht Pech, dass ihm der Kunde die 100.000 € in zwei Tranchen anvertraute, so dass eine wertgewichtet Performance von nur 40% herauskam. Mit der wirklichen Leistung von B hat diese Zahl jedenfalls nichts zu tun, vielmehr hängt sie in hohem Maße von dem mehr oder weniger günstigen Zeitpunkt der Einzahlung ab.

Die drei Szenarien (siehe Abb.) haben gezeigt, dass völlig unterschiedliche Anlagestrategien zu ein und derselben wertgewichteten Performance führen können, und zwar unabhängig vom Erfolg der Management-Leistung. Die wertgewichtete Performance ist vielmehr gut oder schlecht, je nachdem, ob der Kunde zu einem günstigen oder ungünstigen Zeitpunkt eingezahlt hat. Als Mittel zur Beurteilung der Management-Leistungen ist diese Art der Performance-Berechnung also ungeeignet.

Wertgewichtete Performance
von B

Zeitgewichtete Performance
von B

Szenario 1

40%

30,0%

Szenario 2

40%

-2,5%

Szenario 3

40%

56,0%

Die sog. zeitgewichtete Performance hingegen ist unabhängig von Ein- und Auszahlungen. Auf diese Weise spiegelt sie objektiv die Management-Leistung des Vermögensverwalters wider.
Die wertgewichtete Performance hängt, wie gesagt, stark von den Ein- und Auszahlungen ab. Das hat zur Folge, dass diese Art der Rendite kein Vergleichskriterium sein kann für Portfolios, in die unterschiedlich ein- und ausgezahlt wurde. So wies das obige Beispiel-Depot A eine wertgewichtete Performance von 30% aus, und B 40%. Zu glauben, anhand dieser Zahlen könnte man sagen, das eine Portfolio sei schlechter gemanagt als das andere, würde in die Irre führen.

Ein objektives Vergleichskriterium kann nur die zeitgewichtete Performance darstellen. Dies ist auch wichtig beim Vergleich der Wertentwicklung eines Portfolios mit einem Referenzindex oder einer Benchmark. Dies ist auch der Grund, warum der Bundesverband Deutscher Investment-Gesellschaften (BVI) die zeitgewichtete Performance-Methode heranzieht, um die Entwicklung verschiedener Investmentfonds vergleichbar zu machen. In den USA ist diese Berechnungsmethode auch für die individuelle Vermögensverwaltung Standard. Nur Deutschland ist in diesem Punkt noch ein Entwicklungsland, da hierzulande fast alle Vermögensverwaltungen die wertgewichtete Performance berechnen. Es ist aber wohl nur eine Frage der Zeit, bis auch das deutsche Publikum sich damit nicht mehr zufrieden gibt