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Die Chronik der Finanzkrise
Die Chronik der Finanzkrise

2. April 2007
Der kalifornische Immobilien Finanzierer New Century Financial meldet Konkurs an. Es wurden risikoreiche Darlehen an Hauskäufer ausgegeben und diese über Investmentbanker an Investoren aus aller Welt weitergegeben.
17. Juli 2007
Die New Yorker Investmentbank Bear Stearns teilt mit, dass zwei ihrer Hedgefonds beinahe wertlos sind. Die Fonds hatten noch Ende 2006 ein Anlagevermögen von 1,5 Milliarden Dollar verwaltet.
30. Juli 2007
Der deutsche Mittelstandsfinanzierer IKB wird in letzter Minute von der Finanzaufsicht BaFin und der deutschen Kreditwirtschaft vor dem Kollaps gerettet. Die Bank hatte Milliardenbeiträge in Subprime-Kredite investiert, um ihre Rendite anzukurbeln.
13. September 2007
Der Immobilienfinanzierer Northern Roch muss von der britischen Notenbank mit einem Notkredit gerettet werden - viele der 1,4 Millionen Kunden des Instituts räumen Ihre Konten, vor den Filialen bilden sich lange Warteschlangen.
30. Oktober 2007
Die horrenden Abschreibungen von Großbanken fordern erste personelle Opfer: Nacheinander müssen der Vorstandschef der Merrill Lynch, der Citigroup-Chef und der Vorstand von Bear Stearns ihre Posten räumen.
14. März 2008
Der Chef der amerikanischen Notenbank, Ben Bernanke, koordiniert die Rettung der Investmentbank Bear Stearns und verhindert einen Konkurs. Das Institut wird vom Konkurrenten JPMorgan Chase übernommen. Die Notenbank übernimmt Risiken in Höhe von 29 Milliarden Dollar.
7. September 2008
US-Finanzminister Henry Paulson verstaatlicht auf Zeit die Immobilienfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac. Der Eingriff kann bis zu 200 Milliarden Dollar kosten.
15. September 2008
Die amerikanische Investmentbank Lehman Brothers meldet Insolvenz an. Zuvor waren tagelange hektische Verhandlungen über einen Notverkauf der Bank gescheitert, weil Regierung und Notenbank sich weigerten, ähnliche Garantien zu geben wie zuvor im Fall Bear Stearns. Dies ist der größte Schock in der Finanzwelt seit Ausbruch der Krise.
16. September 2008
In der Panikwelle nach der Lehman-Pleite droht dem US-Versicherungsriesen AIG der Kollaps. Die US-Notenbank stützt das Unternehmen mit 85 Milliarden Dollar - im Gegenzug wird AIG praktisch verstaatlicht.
26. September 2008
Die einst größte amerikanische Sparkasse Washington Mutual kollabiert und muss an den Finanzkonzern JP Morgan notverkauft werden. Die Bank aus Seattle war stark im Hypothekengeschäft engagiert. Immer mehr Sparer hatten ihre Gelder abgezogen.
28./29. September 2008
Die Bundesregierung und die Finanzwirtschaft müssen den Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate mit einem Notkredit von 35 Milliarden Euro retten. Dessen Tochter Depfa waren die flüssigen Mittel ausgegangen. Zeitgleich verstaatlichen die Benelux-Staaten wesentliche Teile des Finanzkonzern Fortis wegen Liquiditätsmangels. Die Angst vor weiteren Bankenpleiten wächst.
29. September 2008
Das US-Repräsentantenhaus lehnt den Paulson-Plan ab - vor allem republikanische Abgeordnete sehen in dem Vorhaben, Not leidende Wertpapiere vom Finanzministerium aufkaufen zu lassen, eine Rettung der Wall Street auf Kosten des Steuerzahlers.
4.Oktober 2008
Das Rettungspaket für die Hypo Real Estate platzt. Die Liquiditätslöcher sind größer als angenommen. Nach dramatischen Verhandlungen steht einen Tag später ein neues, jetzt 50 Milliarden Euro schweres Paket.
5. Oktober 2008
Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Peer Steinbrück geben eine Komplettgarantie für private Spareinlagen ab, die unbegrenzt gelten soll. Mit der Garantie will die Regierung verhindern, dass die Sparer ihr Geld von den Banken massenhaft abheben.
7. Oktober 2008
Die Finanzkrise trifft mit voller Wucht auf Island, das seinen Bankensektor verstaatlicht. Island will so den drohenden Staatbankrott verhindern.
8. Oktober 2008
Die britische Regierung steigt im großen Stil ins heimische Bankensystem ein und kauft Anteile der größten britischen Institute in Höhe von 50 Milliarden Britischen Pfund. Daneben stützt der Staat notleidende Finanzhäuser mit einem Kredit über 200 Milliarden Pfund.
9./10. Oktober 2008
Kursstürze weltweit: Der Dow-Jones-Index verliert über sieben Prozent. Daraufhin bebt die Börse in Tokio und erleidet den größten Tagesverlust seit 20 Jahren. Und auch der DAX wird von einem Kursrutsch erfasst und verliert zeitweise über 10 Prozent.
12. Oktober 2008
Die G7-Staaten wollen mit einem Fünf-Punkte-Plan den Bankrott von systemrelevanten Banken verhindern. Zudem sollen die Kreditmärkte wieder belebt und die Spareinlagen der Verbraucher gesichert werden.
13./14. Oktober 2008
Das Rettungspaket für das deutsche Finanzsystem im Umfang von rund 500 Milliarden Euro steht. Zentrales Element: Die Einrichtung eines "Finanzmarktstabilisierungsfonds". Weltweit verzeichnen die Börsen Rekordgewinne. DAX und Nikkei erleben sogar den höchsten prozentualen Gewinn aller Zeiten. Die US-Regierung steigt in die Bankenbranche des Landes ein. Insgesamt stehen für den Kauf von Aktien 250 Milliarden US-Dollar zur Verfügung.
16. Oktober 2008
Das Defizit im US-Haushalt steigt auf den höchsten Stand aller Zeiten.
17. Oktober 2008
Bundestag und Bundesrat beschließen das milliardenschwere Rettungspaket für das Finanzsystem in Deutschland. In einem Eilverfahren setzt auch Bundespräsident Horst Köhler das "Finanzmarktstabilisierungsgesetz" mit seiner Unterschrift in Kraft.
19. Oktober 2008
Bayerns Finanzminister Erwin Huber meldet als erster Vertreter einer Landesbank Ansprüche an, um die Bayerische LB mit einem zweistelligen Milliardenbetrag zu unterstützen. Huber kündigte zugleich ein neue Geschäftsmodell für die BayernLB an: " Das Haus steht vor gewaltigen Umstrukturierungen"
20. Oktober 2008
Nach Informationen der "Süddeutschen Zeitung" bezifferte der Präsident des Bayerischen Sparkassenverbandes, Siegfried Naser, bei einer vertraulichen Unterredung am Wochenende den Kapitalbedarf der Landesbank auf drei bis fünf Milliarden Euro. Darin soll nach Angaben aus Finanzkreisen eine Art "Sicherheitspuffer" enthalten sein, damit die BayernLB bei neuen Problemen nicht sofort wieder Geld brauche.
21. Oktober 2008
Frankreichs Präsident Sarkozy hat zur Stützung der europäischen Wirtschaft eine Teilverstaatlichung strategisch wichtiger Industrien vorgeschlagen. "Wir sollten über eigene Staatsfonds nachdenken, um strategische Unternehmensanteile, die abgewertet sind, aufzukaufen", sagte er in einer Rede vor dem EU-Parlament.
21. Oktober 2008
Die BayernLB hat beschlossen, 5,4 Milliarden Euro aus dem Rettungspaket der Bundesregierung in Anspruch zu nehmen. Zusätzlich schießen der Freistaat 700 und die bayerischen Sparkassen als Anteilseigner 300 Millionen Euro zu. Mit dem Geld soll die durch Verluste im Rahmen der Finanzkrise entstandene ausgedünnte Kapitaldecke gestärkt werden. Der bayerische Finanzminister und Vorsitzende des Verwaltungsrates der BayernLB erklärt, einem künftigen Kabinett nicht angehören zu wollen. Er übernehme damit die politische Verantwortung für das Desaster bei der BayernLB.
22.Oktober 2008
Ein erster Weltfinanzgipfel wird für den 15. November in Washington terminiert.
25. Oktober 2008
Nach der BayernLB wollen nun auch die West LB und die HSH Nordbank Hilfe vom Staat in Anspruch nehmen und mit dem Rettungspacket ihr Überleben sichern. Nach eingehender Prüfung wolle die WestLB "umfangreiche Staatshilfen" beantragen, kündigte WestLB-Chef Heinz Hilgert an. Auch Hans Berger, Vorstandschef der HSH Nordbank, will das Berliner Rettungspacket nutzen. Im Zentrum seiner Pläne stehen dabei die Staatsgarantien, mit denen Bankschuldenverschreibungen für die langfristige Refinanzierung ausgegeben werden können.
26. Oktober 2008
Die internationale Bankenkrise wird nach Einschätzung des Bundesfinanzministers Peer Steinbrück Deutschland noch mindestens bis Ende 2009 belasten. Er "streue keinem Bürger Sand in die Augen". Steinbrück hält einen Kollaps der Finanzmärkte weiterhin für denkbar. "Die Gefahr eines Zusammenbruchs sei noch lange nicht gebannt. Jede Entwarnung wäre falsch", sagte der SPD-Politiker.

